Prof. Dr. Georg Gasser,
Deutschland/Österreich

Philosoph für menschliche Souveränität im KI-Zeitalter
Prof. Dr. Georg Gasser

Biografie

Künstliche Intelligenz verspricht uns eine Welt ohne Umwege. Sie schreibt, analysiert, entscheidet, berät und liefert Antworten, bevor wir selbst nach ihnen gesucht haben. Sie übernimmt Tätigkeiten, die uns Mühe kosten, und simuliert zunehmend Fähigkeiten, die wir bislang für menschlich hielten. Vieles davon ist zwar hilfreich. Doch was gewinnen wir wirklich dadurch, und was verlieren wir, wenn zwischen uns und die Wirklichkeit immer häufiger eine Maschine tritt? Und mit jeder Aufgabe, die wir an Maschinen abgeben, stellt sich eine zweite Frage: Was sollten wir gerade nicht delegieren?

Genau hier setzt Georg Gasser an. Der Philosoph an der Universität Augsburg beschäftigt sich mit Freiheit, personaler Identität und dem Verhältnis von Mensch und Technik. Seit 2017 lehrt er zudem Medizinethik an der Medizinischen Universität Innsbruck, einem Bereich, in dem die Frage nach technischen Möglichkeiten immer auch mit einer zweiten verbunden ist: Nur weil etwas möglich ist, ist es deshalb auch richtig?

Für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz wird diese Unterscheidung entscheidend. Welche Entscheidungen dürfen Algorithmen vorbereiten, welche dürfen sie treffen, und wo muss ein Mensch die letzte Instanz bleiben? Nicht jedes Unternehmen muss jede technologische Entwicklung mitvollziehen, nur weil sie verfügbar ist. Und doch lässt sich nur schwer eine Grenze ziehen, wenn Märkte, Wettbewerber und gesellschaftliche Gewohnheiten längst in die andere Richtung drängen.

Gasser geht es nicht um Technikskepsis, sondern um den richtigen Platz der Technik.

Denn menschliche Fähigkeiten entstehen nicht nur durch Ergebnisse, sondern auch durch den Weg dorthin: durch Aufmerksamkeit, Erfahrung, Widerstand, Verantwortung und die Begegnung mit anderen.

Für Unternehmer und Entscheidungsträger wird daraus eine sehr konkrete Aufgabe. Sie müssen nicht nur entscheiden, wo sie KI einsetzen, sondern auch, wo sie bewusst darauf verzichten. Welche Tätigkeiten gehören zur menschlichen Verantwortung? Welche Beziehungen dürfen nicht automatisiert werden? Welche Kompetenzen wollen wir erhalten, selbst wenn eine Maschine sie schneller beherrscht?

Bei B-Safe26 geht Georg Gasser deshalb einen Schritt weiter als die übliche Debatte über Chancen und Risiken der KI. Er fragt nach einem praktikablen Maßstab für den Alltag.

Denn menschliche Würde hängt nicht daran, ob wir leistungsfähiger sind als eine Maschine. Und menschliche Souveränität beginnt vielleicht genau dort, wo wir bewusst entscheiden, was wir nicht an sie abgeben.